Nachdem ich zum dritten Mal erfolgreich die Fahrschule besucht habe (mit 16 Jahren Klasse 1b (80ccm), mit 18 Klasse 3 (Auto) und mit 20 Klasse 1a), wollte ich natürlich auch ein eigenes Motorrad fahren. Ein Auto hatte ich bis dahin nicht, da die Anschaffungs- und Haltungskosten für mich zu dem Zeitpunkt zu hoch waren. Also informierte ich mich (natürlich ohne Internet, das war bekanntlich 1997 kaum verbreitet! Heute kann man sich das gar nicht mehr wegdenken! ;-)) über einige Zeitschriften, in denen man sich über diverse Motorräder informieren konnte. Das es eine "nackte" sein sollte, stand für mich schon von Beginn an fest. Also fiel nach einiger Recherche meine Wahl auf die "Suzuki GS 500 E", welche mir aber aufgrund meiner Größe (1,93m) nicht gerade von anderen Bikern empfohlen wurde. Also weiter suchen! Die "Honda NTV 650" wurde bis auf wenige Kleinigkeiten stets gelobt und gerade auch als Anfänger-Motorrad empfohlen. Wasserkühlung, Kardan Antrieb (also keine Kette), ein nahezu unzerstörbarer Motor (bei entsprechender Pflege) und günstige Gebrauchtpreise sprechen für sich. Also habe ich mich für dieses Mopped entschieden!

Nach relativ kurzer Suche in diversen Gebrauchtfahrzeug-Zeitschriften fielen mir folgende Daten ins Auge: Baujahr 1995 (also zu der Zeit etwa 3 Jahre alt), Laufleistung 5.000 Km und 5.000 DM (2.556 €). Was will man mehr? Keine 100 Km trennten mich von meinem neuen Mopped! :-D Nach kurzem Telefonat mit der Verkäuferin noch schnell meinen Pa überzeugt und ab ins Auto! Doch da gab es ein Problem, denn bei der praktischen Prüfung hatte der Prüfer versehentlich meinen Führerschein nicht mit dabei, also war ich offiziell (trotz bestandener Prüfung) ohne Fahrerlaubnis! Wer hat kurzfristig Zeit und besitzt einen Motorradführerschein? Ein Nachbar fand sich schnell, also ging es auf zum "neuen" Mopped! Nach kurzer Probefahrt durch den Nachbar waren wir uns schnell einig. Beide unterzeichneten den Kaufvertrag und dann ging es ab nach Haus. Man kann sich bestimmt vorstellen, daß das Wochenende ganz lang wurde, da ich am Montag darauf erst zum Straßenverkehrsamt konnte, um meinen Führerschein abzuholen. Eine kleine Rundfahrt um den Block konnte ich mir aber nicht verkneifen! ;-) Nach scheinbar endlosen Tagen hielt ich dann den ersehnten Führerschein in meinen Händen! *freu* und die ersten 1.000 Km ließen nicht lange auf sich warten. Ich hatte quasi Blut geleckt! Doch dann sollte doch alles anders kommen...

Leider gab es dann nach nur 2.500 Km einen derben Rückschlag, denn das Kühlwasser war nach Start der Maschine schon ca. 2 Minuten später im "roten Bereich"; sprich: Das Kühlwasser kochte und wurde über den Überlauf hinausgedrückt! :-( Also ab zur Reparatur! Leider habe ich mir jedoch eine freie Werkstatt ausgesucht und da ging der Ärger erst richtig los. Ich kann mich heute noch ärgern, daß ich nicht zum freundlichen HH (Honda Händler) gefahren bin, aber nachher ist man bekanntlich immer schlauer! Nun ja, die Ursache war scheinbar gefunden: "Zylinderkopfdichtung defekt", das bedeutet: Motor zerlegen! So einen Defekt ist bei der geringen Laufleistung sehr ungewöhnlich! Der Ärger kam dann in der Art, daß der Mechaniker der freien Werkstatt zwar sämtliche Maschinen aller großen Namen repariert, aber, wie ich erst im Nachhinein erst erfahren habe, keine Ausbildung als Mechaniker absolviert hat. Muß ja jetzt nicht unbedingt ein Nachteil sein, doch bei mir war es der Fall...

...denn nach vermeintlich erfolgreicher Reparatur blieben die Kühlwasserprobleme nach kurzer Zeit wieder die gleichen! Sichtlich enttäuscht ging es wieder zurück, um die Reparatur zu beanstanden und um auf Nachbesserung zu bestehen. Ein zweiter Reparaturversuch folgte, denn die gewechselte Zylinderkopfdichtung brachte keinen Erfolg. Die Zylinderköpfe sollte nun plan geschliffen werden, um dem Problem Herr zu werden. Die Kosten explodierten! Nach weiteren Nachbesserungen und Reparaturversuchen kam irgendwann dann der Punkt, an dem sie dann doch mal fertig wurde. Natürlich stand sie in den besten Sommermonaten in der Werkstatt, während andere fleißig mit ihren Böcken um die Kurven flitzten. 2.000 DM sollte die Reparatur kosten, da der Mechaniker nicht die vorgegebene Stundenzahl für solche Reparaturen berechnete, sondern die tatsächlichen! "Wenn ich nicht bezahlen würde, bekomme ich auch mein Mopped nicht wieder!", war die Antwort auf meine Zurückhaltung beim Wechsel dieser großen Summe!!! Was blieb mir also anderes übrig, als ohne einen Rechtsstreit meine NTV wiederzubekommen? Glück im Unglück hatte ich dennoch, denn die Verkäuferin erklärte sich trotz des Hinweises im Kaufvertrag "Gekauft wie gesehen" dazu bereit, die Hälfte der Reparaturkosten zu übernehmen, da eine Zylinderkopfdichtung nicht "mal so eben" kaputt geht. Sehr kulant und sehr hilfreich für meinen damaligen doch recht kleinen Geldbeutel! Doch meine berufliche Entscheidung stellte mich vor einer schwierigen Entscheidung...

Da ich seit 1999 im Wechseldienst arbeite, muß ich auch bei Schnee, Regen und bei allen Temperaturen die damaligen 25 Km zu meiner Dienststelle fahren, was mich nicht um ein Auto herumkommen lies. Beides war leider finanziell nicht machbar, also entschloss ich mich dann doch schweren Herzens für eine Trennung und zum Kauf meines ersten Autos. Ich sprach mit einigen Händlern in der näheren Umgebung und fragte gleich telefonisch nach einem ungefähren Ankaufspreis. Da mir ein Händler 5.500 DM geboten hat, knipste ich noch schnell einige Erinnerungsfotos (die auf dieser Seite) und fuhr zu meiner bis dahin erstmal letzten Fahrt auf der Honda NTV. Letztendlich blieb es dann bei 5.000 DM, da der Händler doch noch irgendetwas zu bemängeln hatte. Ich nahm sein Angebot an und fuhr mit der Bahn zurück nach Haus. Es sollte 6 Jahre dauern, in denen ich oft den Verkauf bereut habe, bis ich wieder eine Honda NTV 650 besitzen sollte...